Die bessere Kandidatin

2017-12-14 13:40 von Martina Ueberschaar (Kommentare: 0)

Ein Beitrag von Martina Ueberschaar

„…weil ich die bessere Kandidatin bin“… so beendete Marjoke Breuning ihre Vorstellung zur Kandidatur ihrer Präsidentschaft. Dies war ihre Antwort auf die Frage, warum man Sie wählen sollte.

Ihr Credo bis heute. Als ich zur konstituierenden Sitzung dieser Wahlperiode angetreten bin, um neben Marjoke Breuning als Präsidentschaftskandidatin den Mitgliedern der Vollversammlung eine Wahl zu bieten, wusste ich nicht, wofür meine Mitbewerberin steht. Weder in den ersten vier Jahren meiner Mitgliedschaft der Vollversammlung noch im Handelsausschuss, ist sie mir durch Anträge oder Wortbeiträge aufgefallen. Auch während ihrer Vorstellung zur Präsidentschaft habe ich kaum inhaltliche Impulse erkannt. Ein paar aktuelle Schlagworte, per Powerpoint-Präsentation an die Wand geworfen, schienen für eine Wahl zu genügen. Jedoch waren ihre plakativen Gemeinplätze nicht mit Inhalt gefüllt, es wurde nicht klar, welche Ziele sie wirklich verfolgt, in welcher Rolle sie als Präsidentin wirkt. Betont hat sie immer, sie sei die Kandidatin der Mitte.

Aber die bessere Kandidatin – warum? Die Antwort haben wir bis jetzt nicht erhalten.

Mit dieser Hypothek der vermeintlich besseren Präsidentin haben sich nun alle herumzuschlagen. Sie scheint uns beweisen zu wollen, dass dem so ist, und erreicht doch bei jedem Schritt, den sie macht, das Gegenteil.

Begonnen hat ihre unsägliche Amtsführung mit dem Fernsehinterview zur Causa Schmalzl, als sie nach seinen Qualitäten gefragt wurde und verstummte. Entweder war sie der Presse gegenüber zu naiv, dachte, ein nettes Lächeln wäre besser als jede Antwort, oder sie wurde nicht auf die möglichen Fragen vorbereitet – dies hat zum zweiten Mal gezeigt, dass Sie inhaltlich nichts zu bieten hat. Von mangelnder Unterstützung des damaligen Hauptgeschäftsführers Richter, ein Medienprofi, ganz zu schweigen.

Ab der nächsten Sitzung – sie gab wohl der Kaktus-Initiative Schuld an ihrem eigenen Versagen beim TV-Interview, weil wir das Thema Schmalzl auf die Agenda gebracht hatten – meinte sie, mit rigorosem „Durchregieren“, in Manier einer Königin, sich Autorität zurück zu holen. Hier liegt der Trugschluss, dem sie aufliegt. Autorität hat man und Respekt muss man sich erarbeiten – durch Wissen und Vorleben! Wenn man sich in der Satzung und Geschäftsordnung nicht auskennt, und einem die Nebensitzer hierbei nicht entsprechend unter die Arme greifen, ist es schwierig, eine Sitzung sachgerecht zu leiten und keine Fehler zu begehen. Und – mindestens genauso wichtig – ein guter, ausgleichender Moderator kennt die Befindlichkeiten seiner Vollversammlung und nimmt diese mit Gespür auf, verwendet sie so, dass alle Beteiligten das Gefühl haben, gewonnen oder zumindest nicht ihr Gesicht verloren zu haben. Sie schafft jedes Mal das Gegenteil, die letzte, die Weihnachtssitzung, ist der schlimmste Beleg dafür! Ich denke, als Präsidentin muss man integrieren, nicht spalten! Ist das so schwer? Es sieht so aus.

Natürlich ist das hiesige Präsidium mit Menschen besetzt, die klare Interessen haben und diese auch von der Präsidentin durchgesetzt haben wollen. Jedoch bietet dieses Amt wohl so viel Spielraum, in einer Sitzung alle ausreichend zu Wort kommen zu lassen und beschwichtigend, nicht Öl ins Feuer gießend, auf die Beteiligten einzuwirken. Dazu gehört natürlich, dass man eine gewisse Sicherheit in den Inhalten hat, die es zu besprechen gilt und natürlich auch in Satzungsfragen. Es kann ja nicht sein, dass Mitglieder der Vollversammlung nach jeder Sitzung die Rechtsaufsicht über Unregelmäßigkeiten in der Sitzungsführung informieren und diese dann bei der Präsidentin vorstellig werden muss! Ihre anfänglich und vielfach propagierte Gesprächsbereitschaft und ihr Wunsch nach Kompromissfähigkeit sind wohl verpufft… die bessere Präsidentin scheint schon am Ende – nach nicht einmal einem Jahr!

Die Autorin: Martina Ueberschaar ist Einzelhändlerin in Stuttgart

Zurück