Die Wahrheit ist irgendwo da draußen.

2018-12-13 16:14 von Peter Schweizer (Kommentare: 0)

Die IHK digitalisiert sich und macht sich und die Mitgliedsunternehmen damit fit für Industrie 4.0, Digitalisierung und den ganzen neumodischen Schnickschnack, den die jungen Menschen heute fordern. Da sollte dann doch auch mal Transparenz einkehren, eine Kultur der Offenheit, so was socialmässiges halt. Es reicht im Übrigen nicht, dass der Hauptgeschäftsführer seinem kleinen inneren Wutbürger auf Facebook freien Lauf lässt.

Denkt man. Hofft man und glaubt daran, dass sich am Standesdünkel, den Absprachen in Hinterzimmern in denen die Partikularinteressen der Netzwerker, der Kartelle und politischen Strippenzieher, endlich etwas ändert.

Kann man auch sehen: Betrachtet man die Entwicklung der letzten sechs Jahre, hat die Kaktus-Initiative viel erreicht und damit meine ich nicht die veganen Brotaufstriche im Anschluss an die Sitzungen. Nein, wir haben dafür gesorgt, dass sich viele Dinge bewegen, die Beiträge gesenkt werden und Informationen – zwar nur widerwillig – fließen. Und wir haben mithilfe der Verwaltungsgerichte für das Einhalten klarer Regeln gesorgt – so darf sich das Präsidium nicht mehr politisch äußern oder sich über Mitglieder der Vollversammlung in der Presse beschweren. Und wir haben Antworten bekommen, Antworten nach den Verhältnissen in der Kammer, nach unverständlichen Berechnungen und Haushalten, die jeder Entwicklung trotzen und jedes Jahr dieselben Ergebnisse liefern – auch nur mithilfe der Gerichte, die den Verantwortlichen in ihrer Selbstherrlichkeit die Wirklichkeit zeigten: irgendwann bekommen wir unsere Antworten, auch wenn es dauert.

Und wir haben mit diesen ganzen Erfolgen ein Monster erschaffen. Eines das, ähnlich dem Drachen Smaug aus »Der kleine Hobbit«, im Verborgenen lauert, auf seinem Schatz sitzt und jeden verschlingt, der es wagt, den Schatz zu begehren oder dem Drachen sein Haus streitig zu machen. Wo Seilschaften und Netzwerke früher in der Öffentlichkeit gepflegt wurden, zieht es die Gestalter der Macht jetzt wieder ins Hinterzimmer, ins Dunkel und die Anonymität. Gleichzeitig wächst die Günstlingswirtschaft, werden die Follower und Claqueure der Macht belohnt. Werden Gefälligkeiten eingefordert und der Druck auf Abhängige erhöht. Wer spurt, bekommt einen Merkur, wer widerspricht, bekommt klar gesagt, dass man auch anders kann.

Mit der neuen Wahlordnung hat sich dieses Ungeheuer nun zum ersten Mal in der Öffentlichkeit gezeigt. Die Willfährigen waren instruiert und haben, ohne jede Sachkenntnis oder jemals einen Blick in die Unterlagen geworden zu haben, die Durchsetzung und Zementierung des Status Quo gefordert. Sie haben die Kritiker verhöhnt, ohne überhaupt zuzuhören, einfach nur, weil man es ihnen vorher gesagt hat. Liest man das Urteil des Bundesverfassungsgerichts einmal wirklich, dann sind es genau diese Zustände, die die Richter bemängeln und maßregeln. Aber das scheint in Stuttgart egal zu sein, man hat ja die Mehrheit und die Minderheit soll doch den Weg durch die Instanzen gehen, der ist lang und teuer und am Ende geht man so lange in Revision, bis das Ergebnis keine Rolle mehr spielt.

Aber wie im Hobbit auch, wird das Ungeheuer irgendwann ins Licht gezerrt und wird an seiner eigenen Gier ersticken. Was wir brauchen sind nur ein paar mutige Zwerge und Kleinstunternehmer*innen.

Der Autor: Peter Schweizer ist Inhaber der Internetagentur Living the Net in Ludwigsburg.

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