Man soll den Mann nicht vor der ersten Sitzung loben.

2017-12-06 11:52 von Peter Schweizer (Kommentare: 0)

Ein Beitrag von Peter Schweizer

Am Donnerstag, den 7.12. ist es endlich soweit: Johannes Schmalzl, ehemals oberster Geheimdienstmann des Landes, beinahe Generalbundesanwalt und 2016, mit knapp 51 schon in den Ruhestand verabschiedeter Regierungspräsident, der unter Wolfgang Schäuble dann im Bundesamt der Finanzen wiedererweckte Wächter über die Bundesbeteiligungen.

Ein Mann mit Referenzen und Beziehungen, der ideale Netzwerker für die IHK: Kennt seine Pappenheimer im Land und pflegt beste Kontakte in die Noch-Regierung. Als Voll-Jurist bringt er zusätzlich noch die passende Diktion mit, auch schlechte Nachrichten wohlklingend zu verpacken. Einer, an dem wir uns reiben können – so denken sich das die Herren im Hintergrund, die nur bei wesentlichen Veranstaltungen dann in der ersten Reihe sitzen, wenn es darum geht, die Verbundenheit mit der Macht zu zeigen. Aber vielleicht irren sie sich ja dieses Mal gewaltig.

Der Neue im Eckbüro mit Blick auf den Weinberg und das Weinberghäuschen tritt an mit dem klaren Auftrag, die Kritiker zum Schweigen zu bringen. Nicht wie sein Vorgänger mit Betonpolitik, unsäglicher Borniertheit und permanentem Biegen von Recht und Moral, sondern eher mit leisen Tönen. Töne, die vor allem zwischen den Sätzen ihre Wirkung entfalten sollen.

Divide et impera – „Teile und herrsche“ heißt die neue Marschroute: Aufeinander zugehen und dann zwischen den Kritikern solange Streit säen, bis man den Bruch des Widerstandes feiern kann. Gewürzt mit ein paar versteckten Drohungen und Andeutungen. Eben wie beim Geheimdienst: „macht nur, wir wissen alles über euch.“

Kann funktionieren, wird es aber nicht. Wenn die Taktik schon in den ersten Gesprächen offensichtlich wird, wenn jeder der in den Dialog tritt, sich des Gefühls nicht entledigen kann, das hier nur taktiert und eingewickelt wird, um damit ein von oben diktiertes Ziel zu erreichen.

Hamburg, Berlin, Stuttgart – es gibt zahllose Beispiele dafür, dass man der IHK, beziehungsweise den Verantwortlichen in den Führungsebenen, nicht vertrauen kann und Veränderungen nur erreicht werden, wenn der gesamte Apparat getauscht wird.

So traurig aber wahr ist die Realität der verfilzten Strukturen und Institutionen dieser selbsternannten Verwalter der Interessen der Industrie. Und wenn man an die Spitze einer der schlimmsten einen Mann setzt, der mehr oder weniger die Blaupause genau dieses Filzes darstellt, darf man sich nicht wundern, wenn niemand so richtig an die Veränderungen glauben mag.

Der Autor: Peter Schweizer ist Inhaber der Internetagentur Living the Net in Ludwigsburg.

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