Willkommen am Ballermann

2017-06-27 06:26 von Peter Schweizer (Kommentare: 0)

Eine Beitrag von Peter Schweizer

Willkommen am Ballermann

Heute will ich nicht über Schmalzl schreiben, ich will auch nicht darüber reden, dass er die rechte Wahl für die Hardliner ist, einer der weiß, wie man drüberbügelt und Kante zeigt. Einer der schon in seiner ersten Rede vor der Vollversammlung klar macht, wo er steht – Unterstellung und Verdächtigungen in Richtung Kaktus, verbunden mit einer leisen Drohung, dass man schon wisse, wer und was. So führt man sich bei Eliten ein, auch wenn die schon lange vor dem Auswahlprozess wussten, wer der neue Chef sein wird.

Nein, heute will ich darüber schreiben, wie Macher ihre Masken fallen lassen, wie sich die Herren im feinen Zwirn inhaltlich und im Benehmen auf Ballermann-Niveau herabschrauben und es zugeht wie im Bierzelt, oder wie beim FC Bayern – „Mia san Mia“ und wer nicht unserer Meinung ist, der wird einfach niedergemacht. Der Zorn der Wutbürger aus dem Lager der Weltmarktführer richtet sich zuerst gegen ein Mitglied der Kaktus-Initiative, das nach Ansicht der Krawallmacher in Nadelstreifen, seine Fragen zu langsam stellt. Schnell wird gebrüllt, ja es wird gebrüllt: „Aufhören!“ Oder „Komm auf den Punkt!“ – ja so geht es zu in den Hinterzimmern der Macht, wenn den Herren mit den 7-stelligen Gehältern eine Meinung nicht passt.

Es hat schon einen Grund, weshalb die Presse hier nicht eingeladen wird. Wäre ja noch schöner, wenn sich der Geschäftsführer von Welt und aus dem Remstal benimmt wie ein billiger Straßenrowdy. Interessant mag auch sein, dass wenige Tage zuvor die Präsidentin der IHK mit leerem Gesicht und sprachlos in eine Kamera starrte und auch nach einer kurzen Unterbrechung immer noch nichts zu sagen wusste. Da hätte man auch brüllen können: „Du kannst nach Hause gehen, Du kannst nach Hause gehen!“ Schickt sich aber nicht, weil innerhalb eines Diskurses der oder die Andersdenke nicht einfach schlechtgemacht, sondern mit Respekt behandelt wird – Respekt, der mittlerweile nur noch von Seiten der Kaktus-Initiative vorhanden zu sein scheint.

Auf Seiten der mittlerweile pöbelnden “ehrbaren“ Kaufleute sind die Masken unterdessen gefallen und die Handschuhe ausgezogen. Ist das Demonstration von Stärke und Souveränität? Nein, so zeigt sich die blanke Angst vor dem Machtverlust, vor der eigenen Fehlbarkeit, vor dem eigenen Versagen. Ein Apparat, der so mit Kritik und Kritikern umgeht, wie es inzwischen bei der IHK Region Stuttgart zum „guten Ton“ gehört, hat akzeptiert, dass seine Zeit gekommen ist und klammert sich verzweifelt an etwas, das zwischen den eigenen Händen zerrinnt.

Hamburg hat gezeigt, wohin die Reise geht und wir sind ganz vorne mit dabei.

Der Autor: Peter Schweizer ist Inhaber der Internetagentur Living the Net in Ludwigsburg.

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